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Berufe unter der Lupe: Goldschmied/-in

Freude für die Ewigkeit

Beruf: Goldschmied

Du willst auf keinen Fall zu diesen Leuten gehören, die um neun im Büro aufkreuzen und um fünf den Bleistift fallen lassen? Du wirst garantiert nicht denselben Beruf wie deine Eltern ergreifen, aus purem Mangel an Phantasie? Du weißt, dass du deinen eigenen Weg finden möchtest? Dann bist du hier richtig, denn für dich präsentieren wir in einer lockeren Reihe interessante Berufe abseits des Mainstreams.
Hier: GOLDSCHMIED/-IN


»Ich selbst mache mir eigentlich gar nicht so viel aus Schmuck«, sagt Iris Biehl. »Aber es ist einfach großartig zu sehen, wie viel Freude man Menschen mit seiner Arbeit machen kann. Wie sie strahlen, wenn ich ihnen den Armreif überreiche, den sie bei mir in Auftrag gegeben haben. Oder auch wenn sie ein liebgewonnenes Schmuckstück zurückerhalten, das bei mir in der Reparatur war.« Die erfahrene Goldschmiedemeisterin hat im Laufe ihrer Karriere alle Facetten ihres Berufs kennengelernt. Wir haben uns mit ihr über ihre Erfahrungen unterhalten.


ausbildungsplatz aktuell: Frau Biehl, Sie sind in Idar-Oberstein aufgewachsen, einer kleineren Stadt in Rheinland-Pfalz, die neben Pforzheim als die Schmuckstadt in Deutschland gilt. Warum eigentlich?
Iris Biehl: Es gibt sehr viele Edelsteingroßhandlungen, Goldschmiede, Fasser, Steinschleifer etc. in dem Ort. Das liegt an den natürlichen Edelsteinvorkommen in der Gegend. Man findet Achat, Amethyst, Jaspis etc. – wenn auch inzwischen nicht mehr in den großen Mengen.

 

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Wurde Ihnen der Goldschmiedeberuf also in die Wiege gelegt?
Nein, überhaupt nicht! Ich bin in einem gastronomischen Betrieb groß geworden, meine Familie hatte mit Schmuck nichts am Hut. Als ich mit der Hauptschule fertig war, hatte ich vier Berufswünsche. Automechanikerin, wie das damals noch hieß, Werkzeugmacherin, Friseurin oder Goldschmiedin. Mein Vater sagte dann, dass man als Friseurin viel zu wenig verdient und als Werkzeugmacherin ständig im Stehen arbeiten muss. Es lief dann allmählich auf Goldschmiedin hinaus. Und das war auch wirklich die beste Wahl!

 

Haben Sie dann in Idar-Oberstein Ihre Lehre absolviert?
Erst einmal habe ich die Berufsfachschule besucht, wo unter anderem Drehen, Fräsen und technisches Zeichnen auf dem Stundenplan stand. Danach, mit der mittleren Reife in der Tasche, hatte ich das Glück, dass die örtliche Industrie- und Handelskammer eine Lehrwerkstatt für Goldschmiede eröffnete. Die haben im ersten Jahr zehn, zwölf Leute aufgenommen, im Jahr danach noch einmal genauso viele. Da war ich dann dabei. Die Ausbildung war super, ein Glücksfall! Wir haben praktisch von Anfang an Lehrstücke gefertigt, angefangen vom Sägen und Biegen, bis hin zum Löten und zu verschiedenen Kombinationsverfahren. Wir haben uns vom Schwierigkeitsgrad immer mehr gesteigert. Zum Schluss konnten wir auch sogenannte Krappenfassungen anfertigen; da wird der Edelstein von drahtförmigen Stegen gehalten.

 

Wo haben Sie erste Berufserfahrungen sammeln können? 
Meine erste Arbeitsstelle war eine Schmuckfabrik in der Region. Da habe ich ein Jahr lang praktisch nur Guss versäubert. Schmirgeln, schmirgeln, schmirgeln (lacht). War für den Anfang okay, aber mit der Zeit auch recht monoton. Dafür hast du nicht gelernt, habe ich mir gedacht! 

 

Ihnen stand mehr der Sinn nach klassischen Goldschmiedebetrieben? 
Genau, das waren dann auch meine nächsten Stationen. Erst in Idar-Oberstein, dann in Kaiserslautern. Dort passierte etwas Unglaub-liches, denn nur 15 Minuten, nachdem ich dort zu arbeiten begonnen hatte, wurde der Goldschmied von maskierten Männern überfallen. Ich dachte erst, dass das alles ein Spaß ist, den sich meine neuen Kollegen extra für mich ausgedacht hatten. Aber es war Ernst! Bevor jetzt jemand Panik bekommt: so etwas passiert wirklich nur extrem selten, und mit dem richtigen Verhalten bringt man sich nicht in Gefahr. Bei diesen Goldschmieden habe ich jedenfalls viel gelernt; nicht zuletzt das Reparieren von Schmuckstücken. Und ich bekam nun auch Einblicke in betriebliche Abläufe, inklusive Verkauf, Dekoration und Kalkulation. Das fehlte in meiner Lehre fast völlig.


Die Kreativität kam aber nicht zu kurz?
Nie! Darum dreht sich ja immer praktisch alles. Eine Zeitlang habe ich Modelle für Modeschmuckfirmen entworfen, da hatte das Gestalterische einen besonders hohen Stellenwert. Aber auch wenn du ein defektes Schmuckstück, das für den Besitzer einen hohen ideellen Wert hat, wiederherstellen sollst, musst du Phantasie entwickeln und überlegen, wie du es am besten anstellst. Mit der Zeit hatte ich Erfahrung auf vielen Gebieten, so dass ich mit dem praktischen Teil meiner Meisterprüfung begann. Mein Meisterstück ist ein Collier mit einer abnehmbaren Brosche, die einen Lapislazuli-Stein im Zentrum hat. Darunter kommen zwei Brillanten zum Vorschein. Den theoretisch-kaufmännischen Teil der Prüfung habe ich später in Passau absolviert.

 

Mit welchen Materialien arbeiten Sie am liebsten? 
Das Tolle an diesem Beruf ist unter anderem die Vielfalt. Und das fängt schon bei den Materialien an: Gold, Silber, Palladium, Kupfer – oder auch mal etwas weniger kostbare Legierungen wie z.B. Messing. An Platin musste ich mich erst gewöhnen, mittlerweile verwende ich es viel. Dann natürlich das ganze Spektrum der Steine. Ich arbeite besonders gerne mit Brillanten und Turmalinen. Eine Art Lieblingsstein ist auch der grüne Peridot. Was ich gar nicht mag, sind Bernsteine, das sind ja auch gar keine Steine (lacht). Aber da hat jeder seine eigenen Vorlieben. Und à propos Vielfalt: man macht eigentlich ständig etwas anderes: hämmern, walzen, schweißen, schleifen, polieren, löten ... 

 

Die digitale Revolution hat aber sicher längst auch das Goldschmiede-handwerk erreicht?
Natürlich. Rechnerunterstütztes Konstruieren in 3-D wird eigentlich immer wichtiger. CAD-Programme und Wachsdrucker halten überall Einzug. Diese neuen Technologien sind sinnvoll und hilfreich, aber ich habe auch ein bisschen die Befürchtung, dass das rein Handwerkliche irgendwann auf der Strecke bleibt. Ich mache nur recht basale Dinge am PC, aber das ist von Goldschmied zu Goldschmied sehr verschieden.

 

Bei Ihrer Erfahrung können Sie sicher sehr gut beurteilen, welche Fähigkeiten ein Goldschmied mitbringen muss?
Ohne Kreativität geht es, wie gesagt, gar nicht, aber wichtig ist auch ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen. Ein guter Goldschmied sieht einen Stein und weiß dann schon, wie das Schmuckstück dazu aussehen wird. Unabdingbar ist präzises Arbeiten. Körperlich anstrengend ist der Beruf in aller Regel nicht; bei den meisten Tätig-keiten sitzt man. Eine ruhige Hand braucht man nicht unbedingt, ich zumindest habe keine (lacht). Man muss aber eine gewisse Empathie für den Kunden aufbringen, denn Schmuck ist eigentlich immer ein sehr emotionales Thema. Man muss die Wünsche der Kunden verstehen und umsetzen können. Wenn das gelingt, bekommt man sehr viel zurück. Kunden können so happy sein, wenn ihr Schmuck wieder glänzt. Man macht vielen Menschen Freude mit dem Beruf. Besonders schöne Stücke, an die sich Erinnerungen knüpfen, werden manchmal von Generation zu Generation vererbt. Man weiß dann: die Freude ist für die Ewigkeit.

 

 

Iris Biehl

Iris Biehl ist im pfäl­zischen Idar-Oberstein aufgewachsen und hat das Goldschmiedehandwerk in seiner ganzen Bandbreite (vom kleinen Fachbetrieb bis zur Industrie) kennengelernt. Heute wohnt sie in München und leitet Workshops, in denen sie Paaren das eigenständige Anfertigen von Trauringen beibringt. Daneben entwirft sie weiterhin ihren eigenen Schmuck, teilweise in enger Absprache mit den Kunden. Infos und Kontakt unter: http://meisterbiehl.de

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