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Berufe unter der Lupe: Sommelier / Sommelière

Ein Beruf voller Emotionen

Beruf: Sommelier/Sommelière

Du willst auf keinen Fall zu diesen Leuten gehören, die um neun im Büro aufkreuzen und um fünf den Bleistift fallen lassen? Du wirst garantiert nicht denselben Beruf wie deine Eltern ergreifen, aus purem Mangel an Phantasie? Du weißt, dass du deinen eigenen Weg finden möchtest? Dann bist du hier richtig, denn für dich präsentieren wir in einer lockeren Reihe interessante Berufe abseits des Mainstreams.
Hier: SOMMELIER / SOMMELIÈRE


Die Gastronomie ist ins Gerede gekommen. Ihr fällt es zunehmend schwer, guten Nachwuchs zu finden. Auszubildende schmeißen überproportional oft ihre Lehre; Stellen bleiben unbesetzt. »Die Branche hat sich selbst ihren Ruf zerschossen«, findet Christina Krenn. »Die Arbeitsbedingungen in vielen Betrieben, mit 16-Stunden-Jobs und Wochenenddiensten, sind nicht sehr attraktiv.« Trotzdem hat die ausgebildete Restaurantfachfrau nie den Spaß an ihrer Arbeit verloren. Sie hat sich als Sommelière spezialisiert und sich damit eine ganze Reihe von Karrieremöglichkeiten geschaffen.


ausbildungsplatz aktuell: Christina, auf deiner Visitenkarte steht unter deinem Namen die Berufsbezeichnung »Sommelière IHK«. Wissen die meisten Leute auf Anhieb, was damit gemeint ist?
Christina Krenn: Nein, nein, da kommen schon oft Nachfragen. Witzig dabei ist, dass das Wort Sommelière so nicht einmal in Frankreich bekannt ist, obwohl es französisch klingt. Dort kennt man nur die männliche Form: Sommelier.

 

Wäre »Weinkellner« bzw. »Weinkellnerin« eine gute deutsche Übersetzung?
Der Schwerpunkt liegt normalerweise – und auch bei mir – tatsächlich auf Wein und Schaumwein. Eine Sommelière ist in dem Sinne eine Art Weinfachberaterin für Restaurantgäste oder Kunden im Handel. Aber wir kennen uns auch mit anderen Getränken aus, sowohl mit alkoholischen als auch mit nicht-alkoholischen.


Grundlage für deine Spezialisierung als Sommelière war eine Ausbildung als Restaurantfachfrau. Was hat dich gerade an der Gastronomie gereizt?
Als ich nach meinem Abitur kundtat, dass ich in die Gastronomie möchte, haben mich viele für bescheuert gehalten, selbst meine Eltern. Was willst du denn da? Warum studierst du nicht? Ein anderer Spruch lautete: Das ist doch eine reine Männerdomäne. Aber das hat dann schon wieder meinen Kampfgeist angestachelt. Ich sagte mir: Okay, wenn es in dem Bereich viele Männer geben sollte, muss ich mich da eben durchsetzen. Schnell hat sich jedoch gezeigt, dass 50 Prozent der Beschäftigten Frauen sind.

Und klar, Gastronomie ist ein hartes Geschäft. Aber gerade wenn man sich spezialisiert, ist es auch ein Beruf voller Emotionen. Ein tolles Essen mit einem Spitzenwein – da werden alle Sinne angesprochen. Man vermittelt Freude, empfängt Begeisterung. In einem gut geführten Restaurant ist außerdem der Zusammenhalt innerhalb der Belegschaft sehr speziell. Es gibt einen ausgeprägten team spirit; jeder unterstützt jeden. Ich habe durch meinen Beruf schon Freundschaften fürs Leben geschlossen. Und auch nicht unwichtig: in diesem Job kannst du jederzeit auf der ganzen Welt arbeiten!


Irgendwann hast du dann beschlossen, dich noch stärker mit dem Thema Wein zu beschäftigen?
Ja, während meiner Ausbildung zur Restaurantfachfrau kam ich mehrmals in die Situation, dass ich zu den Speisen der Gäste nicht den richtigen Wein fand, auch viel zu wenig Ahnung von der Materie hatte, um sie wirklich zufriedenstellend beraten zu können. Das hat mich genervt, und das wollte ich ändern.


Wo hast du deine Weiterausbildung zur Sommelière absolviert?
Ich habe mich für ein berufsbegleitendes Praxisstudium bei Astrid Zieglmeier an der IHK Akademie München und Oberbayern entschieden. Die Ausbildung dauert ein Dreivierteljahr. Zwei volle Tage pro Woche trifft man sich in den IHK-Räumlichkeiten, den Rest der Woche arbeitet man in seinem Betrieb. Der Abschluss dort ist so viel wert wie ein Meisterbrief. Bekannt ist daneben die Deutsche Wein- und Sommelierschule in Koblenz.


Was waren die wichtigsten Inhalte der Ausbildung?
Wir haben in den 420 Stunden der Ausbildung viel gelernt über die Arbeit im Weinberg und im Weinkeller, über Nachhaltigkeit und Ökologie. Sehr maßgeblich ist natürlich die Sensorik, also Kriterien, um den Geschmack von Wein wirklich beurteilen zu können. Und es ging um alle großen Weinländer, um deren Rebsorten, um Klima, Böden etc. Wir haben im Studium aber auch andere Getränke wie Kaffee, Tee und Spirituosen behandelt. 


Als IHK-geprüfter Sommelière standen dir alle Türen offen?
Der Abschluss ist wirklich anerkannt, deshalb habe ich schnell eine Stelle in einem Münchner Restaurant mit exzellenter Weinkarte gefunden. Nach einer einjährigen Auszeit in Neuseeland fand ich dann eine Anstellung als Jung-Sommelière im bekannten Zwei-Sterne-Restaurant Tantris. Anschließend habe ich eine Neueröffnung mit-erlebt, in einem Haus mit internationaler Küche. Dort arbeitete ich als Sommelière und Restaurant-leiterin. Ich betreute die ganze Logistik Wein, bis hin zur Wahl der Gläser. Außerdem hatte ich dort auch Personalverantwortung. Mittlerweile habe ich also schon viel gesehen in meinem Beruf.

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Zurzeit bist du aber wieder Studentin? 
In absehbarer Zeit bin ich 30 Jahre alt; da bin ich mal in mich gegangen und habe überlegt, wie es weitergehen soll. Ich habe mich dazu entschieden, die nächste Bildungsstufe anzugehen, um dann noch mehr Möglichkeiten zu haben. Ich studiere Internationale Weinwirtschaft an der Hochschule Geisenheim im schönen Rheingau – die zweitwärmste Gegend Deutschlands und natürlich ein klassisches Weinbaugebiet. Nach sechs Semestern werde ich Bachelor of Science sein. Dann könnte ich mir zum Beispiel vorstellen, als Exportmanagerin für ein deutsches Weingut zu arbeiten.

 

Du bist an der Hochschule Teil eines Projektes, das viel Lob für die Initiative »Wein gegen Rassismus« erhält… 
Ja, das war zunächst ein Medienprojekt unserer Hochschule, das eine Gruppe von Studierenden nunmehr selbständig weiterführt. Wir vermarkten einen vom Bio-Winzer Andreas Hemer erzeugten Riesling unter der Bezeichnung »Wein gegen Rassismus« – mit von uns selbst gestaltetem Etikett, mit eigener Logistik etc. Zwei Euro pro Flasche gehen an den Verein Kinder auf der Flucht. Wir selbst arbeiten unentgeltlich und spenden unsere Marge.


Danke fürs Engagement und fürs Gespräch. Verrätst du uns am Ende noch deinen Lieblingswein?
Geht man von der Rebsorte aus, dann haben Riesling und Spät-burgunder für mich die größte Eleganz.

 

 

Christina Krenn

Christina Krenn ist 29 Jahre alt und in der Nähe von Weilheim aufgewachsen. Seit sie in den Schulferien in einer Pizzeria gejobbt hat, hat sie bis hin zum Zwei-Sterne-Toprestaurant in München das ganze Spektrum der Gastronomie kennengelernt. Als Sommelière hat sie ihr großes Wissen über den Wein an ihre Gäste weiter­gegeben. Beim Sommelier Cup des Exportverbandes Wines of South Africa schaffte sie es 2013 bis ins Finale. Inzwischen studiert Christina Krenn im dritten Semester Internationale Weinwirtschaft an der Hochschule Geisenheim.

 

 

 



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