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Hessen: Zeitzeugenprogramm

Die Kraft des Erzählens

Mauerfall

»Wir sind das Volk« – diese Rufe erschallten kürzlich auf Kundgebungen in Dresden. Auch Neonazis und offen ausländerfeindliche Bürger benutzten die historische Parole. »Unerträglich« nannte dies nun der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier. Für ihn und seine Landesregierung sind die aktuellen Vorgänge ein Grund mehr, den Schülern in Hessen ein authentisches Bild von der DDR zu vermitteln. Zeitzeugen spielen dabei eine zentrale Rolle.


Nicht mehr allen Jugendlichen dürfte heute bekannt sein, dass der berühmte Satz – »Wir sind das Volk« – ein wichtiger Bestandteil der sogenannten Montagsdemonstrationen im Herbst 1989 war. Mit ihm drückten DDR-Bürger in Leipzig und anderen Städten ihren Protest gegen die SED-Herrschaft aus. Die allwöchentlichen Kundgebungen mit anfangs nur 1.200 Teilnehmern führten schließlich zum Fall der Mauer. Es sei eine »Verhöhnung der Opfer« von staatlicher Unterdrückung und Willkür, wenn der Slogan »Wir sind das Volk« so eklatant missbraucht werde, sagte Bouffier.

35 Zeitzeugen kommen in die Schulentl_files/ausbildungsplatz/img/Redakteurmaterial/Newsbilder im Artikel/Zeitzeugenprogramm_Artikelbild.jpg
Knapp 25 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung – eine direkte Folge der Montagsdemonstrationen – will die hessische Landesregierung Geschichte lebendig werden lassen. 35 Zeitzeugen haben sich bereit erklärt, ihre Erinnerungen an die friedliche Revolution von 1989, an den Mauerfall, aber auch an Flucht und Bespitzelung durch die Staatssicherheit mit jungen Menschen zu teilen. Zeitzeugen-gespräche seien, so Bouffier, ein wertvoller Schlüssel für die Demokratievermittlung. »Sie können jungen Menschen einen greifbareren Zugang zur Zeitgeschichte eröffnen und mit eigenen Erfahrungen authentisch den kostbaren Wert der Freiheit aufzeigen.«

Diese Einschätzung teilt Roland Jahn – einer der Zeitzeugen, die nun in die hessischen Schulen kommen. Schon in den siebziger Jahren engagierte er sich in verschiedenen oppositionellen Gruppen in Jena und geriet in Konflikt mit dem Staat. Als er gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann protestierte, durfte er sein Studium nicht fortsetzen. 1982 wurde er verhaftet, weil er auf dem Fahrrad eine polnische Nationalfahne mit dem Schriftzug »Solidarität« mitgeführt hatte. Ein Jahr darauf wurde er selbst aus-gebürgert und in die Bundesrepublik zwangsabgeschoben. Seit 2011 ist er Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen und in dieser Funktion einer der Nachfolger des heutigen Bundespräsidenten Gauck. Zeitzeugen sind für ihn »die bestmöglichen Vermittler von Geschichte«. Er glaube an »die Kraft des Erzählens«.

Flucht mit 16 Jahren
Zu den weiteren DDR-Zeitzeugen, die sich dem Programm zur Verfügung stellen, zählen der Musiker und Schriftsteller Stephan Krawczyk, die Bürgerrechtlerin Marianne Birthler und der Pfarrer Christoph Wonneberger, der die Friedensgebete in der Leipziger Nikolaikirche mitorganisiert hatte. Eine bewegende Geschichte hat auch Berthold Dücker zu erzählen, der im Alter von nur 16 Jahren über die Grenze von Thüringen nach Hessen floh. In den neunziger Jahren setzte er sich dafür ein, dass der US-Beobachtungsstützpunkt Point Alpha an der innerdeutschen Grenze in eine Mahn-, Gedenk- und Begegnungsstätte umgewandelt wurde. 


Schulbesuche
Schon jetzt stehen 30 Zeitzeugenveranstaltungen in allen Regionen Hessens fest, verteilt auf alle Schulformen in staatlicher wie privater Trägerschaft. Schulen, die sich für das Zeitzeugenprogramm des Landesregierung interessieren, können sich wenden an:

Hessische Staatskanzlei
Abt. Protokoll & Veranstaltungen | Dr. Alexander Jehn
Georg-August-Zinn-Straße 1 | 65183 Wiesbaden
Tel. 0611 323856 | Fax 0611 323812
E-Mail alexander.jehn@stk.hessen.de

 

>> Ein Video zum Zeitzeugenprogramm ist HIER abrufbar! <<

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