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Morphsuits

Bunt, berühmt – und anonym

Morphsuits

Ja, ist denn schon wieder Karneval? Ein Blick in den Kalender zeigt: die Rosenmontagsumzüge, Faschingsspäße und Fastnachtsbräuche – die verrückten Tage eben – stehen in der Tat vor der Tür. Die Geschichte, die wir hier erzählen, beginnt aber nicht in Köln oder Mainz, sondern im schottischen Edinburgh. Sie handelt von Kostümen und vom Verkleiden, nicht jedoch vom närrischen Treiben zur Winterszeit. In ihrem Mittelpunkt stehen drei clevere Marketing-Studenten, die dank einer skurrilen Idee zu Millionären wurden.


Die drei Freunde Gregor, Ali und Fraser reisten irgendwann im Jahr 2009 von Edinburgh nach Dublin, um dort ein richtiges Männerwochenende zu verbringen. Sie fanden nicht nur den Spaß, den sie suchten. Als sie plötzlich einen Mann in einem knallfarbigen, hautengen Ganzkörperanzug sahen, dessen Kopf komplett von Stoff umschlossen war, war auch eine Geschäftsidee geboren. »Der Typ war echt was Besonderes; alle wollten sich mit ihm fotografieren lassen und ihm sogar Bier ausgeben.« Die Studenten merkten schnell, dass es für das auffällige Kostüm des Unbekannten eine starke Nach­frage geben könnte.

In ihrer Wohnung in Edinburgh gründeten sie einen Onlinehandel und begannen mit dem Verkauf der hauchdünnen Anzüge, denen sie den Namen Morphsuits gaben. Ein paar Mal im Monat mischten sie sich mit dem schrillen Outfit unter das Partyvolk in Bars und Klubs. Die Kostüme wurden allmählich einer größeren Öffentlichkeit bekannt, und der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Innerhalb kurzer Zeit wurden mehrere hunderttausend Morphsuits ausge­liefert. 2011 setzten die Schotten bereits 12 Millionen Euro um.

Star für einen Abend
Kunden können inzwischen unter hunderten von Modellen wählen. Für im Schnitt 50 Euro gibt es die Morphsuits einfarbig in Neon­tönen, aber auch im Design von Nationalflaggen, mit Tierprints oder als Kopie eines Smokings. Der Träger des Anzugs kann alles sehen, er selbst aber wegen der Totalverhüllung seines Körpers nicht erkannt werden. Die äußeren Formen verraten bestenfalls sein Geschlecht, aber weder sein Alter noch sonst etwas. Das Polyestergewebe ist dabei so dünn, dass man durch den Stoff hindurch sogar trinken kann.

»Du bist anonym und wirst dadurch abenteuerlustiger«, sagt Gregor. »Du bringst Farbe in dein Leben, bist Star für einen Abend.« Im Rampenlicht zu stehen und die Aufmerksamkeit des Publikums zu genießen, ist ein wichtiges Motiv für die originelle Verkleidung. Es erklärt ein Stück weit den großen Erfolg des Modegags. Der Trend der Morphsuits ist für Wissenschaftler darüber hinaus ein typischer Ausdruck für die heutige Zeit. Überall sei man heute gläsern und öffentlich, man müsse ständig erreichbar oder im Internet präsent sein, bei allen Gelegenheiten eine gute Figur abgeben. Wenn man sich bis zur Unkenntlichkeit maskiere, so die Frankfurter Sozial­psychologin Angela Kühner, verhalte man sich widerständig und gewinne neue Freiheiten. Man könne sich auch einmal richtig daneben benehmen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

Die Morphsuits erzählen außerdem einiges über unsere globalen Zeiten. Der anonyme Mann in Dublin, der die drei jungen Schotten zu ihrem Geschäft inspirierte, war in Japan auf ähn­liche Anzüge aufmerksam geworden, wo sie unter der Bezeichnung Zentai schon länger in Mode sind und Berührungspunkte mit dem uralten Bunraku-Puppenspiel aufweisen. Nun werden die Kostüme als Massenware in China produziert und sind weltweit ein Schlager. Die Morphsuits-Seite im Facebook hat bereits 1,4 Millionen Fans – stündlich kommen neue hinzu.

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