Ausführlich ist während des Bildungsstreiks 2009 gegen die verkürzte Gymnasialoberstufe protestiert worden, aber das G8 ist und bleibt deutsche Realität. Und doppelte Abiturjahrgänge stehen an, wenn die Absolventen der G8 und G9 nach 12- bzw. 13jähriger Schulzeit gemeinsam den Abschluss machen. Eine Menge Jungendliche werden gleich-
zeitig versuchen, einen Ausbildungs- oder Studienplatz zu ergattern. Es wird eng auf den Startblöcken.
275.000 zusätzliche Studienanfänger
Es geht jetzt Schlag auf Schlag, 2009 kamen im Saarland die
ersten doppelten Jahrgänge mit Abi-Zeugnis von der Schule, 2010 folgt Hamburg, 2011 Bayern und Niedersachsen, 2012 Baden-Württemberg, Berlin, Bremen und Brandenburg, 2013 sind dann das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen und Hessen an der Reihe.
Die Kultusministerkonferenz (KMK) geht davon aus, dass sich bis zum Jahr 2015 zusätzliche 275.000 Studienanfänger an deutschen Hochschulen einschreiben werden. Nach den Berechnungen der Bildungspolitiker wird der Zenit im Jahr 2013 erreicht. „Bis 2020 wird die Zahl dann wieder auf rund 375.000 zurückgehen und bewegt sich damit wieder auf dem Niveau der vergangenen Jahre", erklärte Dr. Joachim Welz, Vorsitzender des Hochschulausschusses der KMK.
Einerseits ist das gut für die Wirtschaft, die dringend auf neue Fachkräfte wartet, andererseits wird es für die Universitäten eine mächtige Herausforderung, sich nicht von dem Abiturienten-Tsunami unterkriegen zu lassen.
Viel Geld von Bund und Ländern
Mehr Geld für mehr Studierende – die Politik will es möglich machen und beschloss vergangenes Jahr eine entsprechende Fortschreibung des Hochschulpaktes. In den kommenden neun Jahren sollen insgesamt zusätzlich 18 Milliarden Euro in Bildung und Forschung investiert werden. Dr. Joachim Welz erläuterte die Berechnungsgrundlage: „Es werden je zusätzlichem Studienanfänger über vier Jahre verteilt rund 26.000 Euro benötigt. Davon trägt der Bund die Hälfte. Für den Gesamtzeitraum und auf die vorausberechneten rund 275.000 zusätzlichen Studienanfänger bezogen ergibt dies ein Bundesbudget von rund 3,58 Milliarden Euro."
Vor allem im Westen der Bundesrepublik sollen wesentlich mehr Studienplätze geschaffen werden, allein in Nordrhein-Westfalen steht die Gründung von vier neuen Fachhochschulen auf dem Plan.
Flexibilität ist gefragt
Ein Patentrezept für die Abiturienten gibt es nicht, aber die Experten raten den Betroffenen, die noch vor 2013 ihren Abschluss machen, sofort mit dem Studium zu beginnen.
Eine Alternative könnte es sein, den Wunschstudienplatz in den neuen Bundesländern zu finden – oder an einer privaten Hochschule. Auch eine Universität im deutschsprachigen Ausland, in Österreich oder der Schweiz könnte in Betracht kommen. Studienberater empfehlen, sich rechtzeitig vorab über die verschiedenen Möglichkeiten zu erkundigen und sorgfältig abzuwägen.


