Die Vereinten Nationen sind
nicht unzufrieden mit der deutschen Politik, es hat sich
seit der letzten Erhebung 2007 einiges verbessert. Dennoch bleibt immer noch viel zu tun,
wie Regine Stachelhaus, die Geschäftsführerin von UNICEF Deutschland, bei der Vorstellung der Studie in Berlin betonte: „Es gibt keinen Anlass, es sich auf einem Mittelplatz bequem zu machen. Denn dahinter verbergen
sich deutliche Defizite. Der Armutsdruck ist gerade für Alleiner-
ziehende dramatisch. Sie werden von der Politik bisher nicht erreicht.“
Deutschland auf Platz 8
Die soziologische Untersuchung bezieht sich auf sechs Faktoren,
und zwar materielles Wohlbefinden, Gesundheit und Sicherheit, Bildung und Ausbildung, Beziehungen zu Familie und Gleichaltrigen, Verhaltensrisiken und subjektives Wohlbefinden. Diese „Dimensionen“, wie die Autoren Hans Bertram und Steffen Kohl sie nennen, wurden mithilfe der neuesten Daten von Eurostat, OECD, PISA, der Weltgesundheitsorganisation, der Weltbank, dem deutschem Mikrozensus und eigenen Berechnungen ermittelt.
Dabei zeigte sich, dass die Bundesrepublik in den letzten drei Jahren von Platz 11 auf Platz 8 im Ranking der Lebensumwelt für Kinder und Jugendliche in Industrieländern aufsteigen konnte. Auf Platz 1 liegen die Niederlande, das Schlusslicht sind die USA.
Düstere Perspektiven
Die UNICEF ist besonders beunruhigt darüber, dass deutsche Jugendliche ihre beruflichen Perspektiven deutlich pessimistischer sehen als ihre Altersgenossen in den anderen Nationen. Darüber hinaus berichten sie häufiger, sich allein gelassen und als Außenseiter zu fühlen. Und überdurchschnittlich viele Jungen und Mädchen werden hierzulande von anderen drangsaliert oder gemobbt - etwa jeder Dritte.
Bei der Lebenszufriedenheit insgesamt liegt Deutschland auf dem viertletzten Platz.
Prof. Hans Bertram von der Humboldt-Universität Berlin, einer der beiden Autoren, ist überzeugt, dass mehr getan werden muss, um das Selbstvertrauen der Kids zu fördern: „Erwachsene müssen Kindern den Glauben an sich selbst vermitteln, um sie auch für eine unsichere Zukunft zu stärken. ’Du kannst es schaffen!’ – das ist die Botschaft, die bei amerikanischen Jugendlichen trotz ungünstigerer Bedingungen ankommt. In Deutschland vermitteln wir vor allem mögliche Gefahren. Nach dem Motto: ‚Pass auf, dass Du nicht scheiterst!’“
Forderungen
Als Konsequenz des Berichts fordert UNICEF, dass Kinder in Deutschland künftig von Politik, Medien und Forschung nicht ausschließlich aus der Perspektive ihrer Leistungsfähigkeit beurteilt, sondern gezielt gestärkt werden sollten. Kinderrechte sollten im deutschen Grundgesetz verankert und der Kampf gegen Kinderarmut intensiviert werden. Zudem müsse mehr für die Gesundheit der Kids getan werden.
Download Studie “Zur Lage der Kinder in Deutschland 2010“
www.unicef.de


