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Bundesweit einzigartiger Studiengang in Würzburg

Antisemitismus ist nicht Geschichte

Bundesweit einzigartiger Studiengang in Würzburg

Der Antisemitismus war mit dem Ende der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft nicht plötzlich Geschichte. Im Gegenteil: Unreflektierter Hass gegen Juden, der sich teilweise in Gewalt entlädt, spielt in unserer Gesellschaft eine zunehmend große Rolle. Mit einem neuen Studiengang in Würzburg soll nun antisemitismuskritische Bildung vermittelt werden. 

 

Ziemlich sperrig ist die Bezeichnung für den neuen Studiengang ausgefallen, den es in ganz Deutschland kein zweites Mal gibt: „Zertifikat Antisemitismus­kritische Bildung für Unterricht und Schule“. Schnell hat sich eine nutzerfreundliche Abkürzung herauskristallisiert: ZABUS. Doch auch wenn der Name des Studienganges gewöhnungsbedürftig ist, gibt es keine zwei Meinungen darüber, wie wichtig er ist.

 

„Höchst überfällig“

„Höchst überfällig“ nennt Judith Petzke den Studiengang. Sie hat ihn am Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik an der Julius-Maximilians-­Universität Würzburg maßgeblich mitentwickelt. Aktuelle Zahlen sprechen Bände. Nach Angaben des Bundeskriminalamtes wurden im Jahr 2022 nicht weniger als 1.500 Straftaten gegen Juden in Deutschland verübt – von böswilligen Beleidigungen in den sozialen Medien bis hin zu Anschlägen. 

 

Dass ZABUS an einem theologischen Institut initiiert wurde, ist kein Zufall. Der Antisemitismus manifestierte sich jahrhundertelang in christlichen Übergriffen auf das Judentum. Aneignungen jüdischer Traditionen durch Christen waren keine Seltenheit. Heute erfasst die Judenfeindlichkeit längst alle Bereiche: Wirtschaft, Kultur, ­Medizin etc. Der Studiengang will den alltäglichen Antisemitismus, auch die Wirkkraft der Stereotype, sichtbar machen und (historisch) erklären.

 

Zielgruppe: Lehramtsstudierende

ZABUS ist ein Zusatzstudium, das sich über drei Semester erstreckt. Es wendet sich ausschließlich an Lehramtsstudierende, die mindestens im zweiten Semester sein müssen. Die Beschränkung auf diesen Personenkreis – Studierende des Lehramts aller Fächerkombinationen – liegt darin begründet, dass das Würzburger Institut noch keine Ressourcen hat, Teilnehmer*innen auch aus anderen Bereichen zu akzeptieren. Judith Petzke macht auf einen anderen Aspekt aufmerksam. ZABUS vermittele „sensi­ble Inhalte“, die nicht kompatibel wären mit einem Massenstudium. Man wolle sich auf das „Handlungsfeld Schule“ konzentrieren und bei den Studierenden einen „Professionshabitus“ ausbilden. Will sagen: Mit ihrem Wissen können die ZABUS-Absolvent*innen an den Schulen als Multi­plikatoren wirken und antisemitismuskritische
Bildung vermitteln.

 

Die Studierenden des neuen Studienganges werden zunächst in einer Grundlagenvorlesung mit Erscheinungsformen und Ausdrucksweisen des Antisemitismus vertraut gemacht. In einem Aufbauseminar setzen sie sich mit Handlungs- und Reaktionsmustern von Lehrkräften angesichts von Antisemitismus auseinander. Ein Ver­tiefungsseminar dient dazu, Möglichkeiten des „Handlungsrepertoires“ zu erproben. 

 

Zunächst ist ZABUS für 30 Studienplätze ausgelegt; die Kapazität soll aber erweitert werden. Der neue Studiengang löste in Würzburg einen regelrechten Run aus, so dass die Studienplätze im Losverfahren vergeben werden mussten. Viele Studierende landeten auf der Warteliste. Das erste Feedback der ZABUS-Studierenden ist überaus positiv. Gelobt wird vor allem die konsequente Praxisorientierung. Man greife aktuelle, emotional durchaus auch belastende Fälle auf. Die Arbeit kreise dabei um zentrale Fragen: „Wie konnte es zu einem bestimmten Ereignis kommen? Wie lässt sich es in Zukunft verhindern?“

Premiumpartner

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