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Namen deutscher Universitäten

Keine Frau. Nirgends.

Umwelt-AG Schloß Neuhaus

Dramen mit Namen tauchen immer mal wieder mal auf. Manche Eltern zum Beispiel, die ihrem Nachwuchs in überbordender Liebe besonders skurrile Namen geben wollen, scheitern am Protest von Standesbeamten. Ein Problem ganz anderer Art hat nun ein Juraprofessor aus Passau gefunden. Der Mann mit dem originellen Namen Holm Putzke hat herausgefunden, dass in ganz Deutschland keine einzige Universität nach einer Frau benannt ist. Das will er so schnell wie möglich ändern. 


Mehr als 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland haben Frauen in vielen Bereichen Fuß gefasst. In der Privatwirtschaft bekleiden sie immer häufiger Spitzenpositionen, auch wenn noch viel Luft nach oben ist. Der öffentlich-rechtliche Sektor ist ohne Frauen nicht mehr denkbar; eine Bundesverfassungsrichterin oder eine Bundeskanzlerin sind schnell eine Selbstverständlichkeit geworden. Mehrere Universitäten haben eine Frau als Präsidentin, z.B. die Universität Augsburg (Prof. Sabine Doering-Manteuffel) oder die Justus-Liebig-Universität Gießen (Prof. Katharina Lorenz). Und die Universität der Bundeswehr in München? Wird von einer Frau geleitet, mit dem laut Website offiziellen Namen: „Präsidentin Prof. Dr. mont. Dr.-Ing. habil. Eva-Maria Kern, MBA“. Inzwischen weisen Frauen auch im mitunter sensiblen Bereich der Symbolik Erfolge auf. Viele Schulen z.B. sind nach Frauen benannt, so etwa die Elisabeth-Selbert-Schule in Hameln (Deutscher Schulpreis 2017), die an eine von nur vier „Müttern des Grundgesetzes“ erinnert. Wenn es um Universitäten geht, glänzen Frauen allerdings durch totale Abwesenheit. Er könne das selbst kaum glauben, sagt Professor Putzke von der Uni Passau. Wenn man sich die Namen der deutschen Universitäten anschaut, lässt sich mit einem leicht abgewandelten Zitat der Schriftstellerin Christa Wolf nur feststellen: „Keine Frau. Nirgends.“

 

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Sophie Scholl oder Marie Curie?

Das hat vor allem historische Gründe. Viele Unis wurden nach ihrem Geldgeber benannt; das waren früher oft Fürsten. Deshalb heißen Hochschulen in Deutschland heute z.B. Westfälische Wilhelms-Universität (Münster) oder Ludwig-Maximilians-Universität (München). Diese Namensgeber führen aber oft eine Menge Problem mit sich. Der bayerische Herzog Ludwig IX., der noch heute in einem der beiden (Vor-)Namen der Münchner Uni verewigt ist, war ein krasser Antisemit und ließ als eine seiner ersten Amtshandlungen im 15. Jahrhundert alle Juden in seinem Herrschaftsgebiet gefangen nehmen. Die Studierenden der LMU kämpfen dafür, dass ihre Uni in „Geschwister-Scholl-Universität“ unbenannt wird, denn mit Sophie und Hans Scholl, den Widerstandkämpfern gegen den NS-Unrechtsstaat, können sie sich sehr viel besser identifizieren als mit dem wenig vorzeigbaren Herzog. Paula Irene Villa, Professorin für Gender Studies an eben der LMU in München, kann sich ebenfalls sehr gut eine „Sophie-Scholl-Universität“ vorstellen. Natürlich gibt es auch hervorragende Wissenschaftlerinnen, an denen man sich orientieren kann. An Marie Curie etwa dürfte man kaum vorbeikommen, denn unter überhaupt nur vier Personen ist sie die einzige Frau, die gleich mehrere Nobelpreise erhalten hat! In Passau hat Professor Putzke eine Diskussion losgetreten. Dort will man sich nun erst einmal auf Kriterien einigen, die bei einer möglichen Umbenennung zu berücksichtigen wären.


Wer ist Emily Carr?

Richtet man den Blick aufs Ausland, wird man auch nicht viele Hochschulen finden, die einen Frauennamen tragen. In New York gibt es ein Monroe College, das sogar von einer Frau gegründet (!) wurde, aber dennoch nicht nach Marilyn benannt ist, sondern nach dem fünften Präsidenten der USA. Etwas weiter westwärts, Im kanadischen Vancouver, gibt es eine Emily Carr University, die sich unter anderem auf ökologisches Design spezialisiert hat. Ihre Namenspatronin ist eine heute in Kanada sehr anerkannte Malerin, die von den indianischen Kulturen ihres Heimatlandes beeinflusst worden ist. Ein Lichtblick! Vielleicht kann dieser Name deutschen Hochschulen als Inspiration dienen?


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