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Tattoos
Das große Stechen - oder das große Löschen?
Tattoos sind seit jeher in der Diskussion. Manche lieben sie, manche verabscheuen sie. Und während einige Menschen ihre Körperbilder am liebsten wieder verschwinden lassen würden, lassen sich andere Menschen Tattoos stechen – aus teilweise sehr bewegenden Gründen.
Jeder Sechste in Deutschland hat sie inzwischen irgendwo an seinem Körper – kleine, große, einfarbige oder bunte Tattoos. Schmückten sich früher Seefahrer, Rocker oder Fußballstars mit ihnen, sind sie längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Unternehmensberater tragen sie ebenso wie Bankkauffrauen. Dennoch lösen Tätowierungen noch Kontroversen aus. Ärzte etwa informieren immer wieder darüber, was zu tun ist, wenn sich Tattoos entzünden – was gar nicht so selten vorkommt. Ein völlig anderes Thema: Manche Zeitgenossen schämen sich auch für ihre Tattoos.
„Hessens peinlichstes Tattoo“
„Boah, hast Du das Bild da aus dem Kaugummiautomaten?“ Schön wär’s, wird sich manch einer bei dieser Frage gedacht haben. Der Anker, das christliche Kreuz oder die kitschigen Rosen auf dem Körper sind aber nicht mehr wegzurubbeln, denn Tätowierungen sind für (fast) immer da. Vor Jahren hatte ein hessischer Radiosender mit einer Sommeraktion großen Erfolg. Gesucht wurde „Hessens peinlichstes Tattoo“. Hörer konnten Fotos von ihren ästhetischen Unglücksf.llen einsenden. Sie landeten in einer Galerie des Grauens im Internet – und es kam einiges zusammen. Eine junge Dame hatte den Namen ihres früheren Lovers „Lothar Matthes“ (Name von der Redaktion geändert) auf die Pobacken tätowieren lassen. Eine Leidensgenossin lief nach einer verlorenen Wette mit der Aufschrift „HSV 1887“ auf ihrem Rücken herum, obwohl sie mit Hamburg und Fußball nichts am Hut hat. Am Ende fanden die Hörer ein Tattoo von Julia aus Dieburg am scheußlichsten. „Property of Volker“ (Eigentum von Volker) stand da in altdeutschen Lettern an ihrem Bauchnabel. Jetzt aber ist der Schriftzug weg, denn als Gewinnerin der Aktion wurde ihr die sehr kostenintensive Entfernung des Tattoos bezahlt.

Geschichten gehen unter die Haut
Es gibt aber auch die ganz anderen Geschichten, und die gehen buchstäblich unter die Haut. Vor allem junge Menschen lassen sich Tattoos stechen, weil sie sich anderen Menschen tief verbunden fühlen: ihrem Freund / ihrer Freundin, ihrer zu früh verstorbenen Mutter, ihrem Opa, der in der Kindheit so viel für sie bedeutete. Tattoos von Vögeln künden vom Wunsch, in einer intakten Natur zu leben. Vor kurzem erst bewegte Ann-Katrin Berger die Nation. Den Körper der Torhüterin der Fußballnationalelf der Frauen schmücken einige auffällige Tattoos. An ihrem Hals ist der Schriftzug „All we have is now“ (etwa: Wir haben nur die Gegenwart) zu erkennen. Das Tattoo erinnert daran, dass Ann- Katrin Berger gleich zweimal einen Schilddrüsenkrebs besiegen konnte. Der Schriftzug überdeckt ihre Narben, aber soll auch ihr selbst und allen anderen zeigen: Es lohnt sich zu kämpfen.
Und jeder Tag ist ein Geschenk.




